Balken Symbol für den Diakonieverein Poppenbüttel stilisiertes Bild der Marktkirche stilisiertes Bild der Simon Petrus-Kirche stilisiertes Bild der Philemon-Kirche Symbol der Diakonie Balken

Winter"hude" in Poppenbüttel

Das Betreuerteam Im Mittelalter war die Hude ein geschützter Liegeplatz für die Binnenschiffer über die Winter­zeit, daher „Winter­hude”. Der Diakonie­verein und die Phi­le­mon-Kir­che richten seit dem Winter 2010/11 jähr­lich eine Winter­hude für vier Ob­dach­lose ein und betreuen die Insassen. Zwei Container mit jeweils zwei kleinen Räumen und ein Sani­tär­container wurden auf dem Park­platz gegenüber der Phi­le­mon-Kirche aufgestellt. Ein kleines Team unter der Leitung von Silvia Hebel betreut das Projekt.

Für die Bereitstellung und die regel­mäßige Wäsche der Hand­tücher und der Bett­wäsche, für die Ausrichtung des wöchen­tlich gemein­samen Früh­stücks, für die Versorgung mit Rei­ni­gungs­mit­teln sowie für die In­stand­hal­tung der Con­tainer­ein­rich­tung ist das Be­treu­er­team für Geld­spenden dank­bar.

In einem Interview für das KIRCHENFENSTER berichtete Silvia Hebel im Februar 2011 über die Erfahrungen der ersten Winterperiode.

Frau Hebel, Sie sind auf vielfältige Weise ehrenamtlich in der Gemeinde aktiv. Was hat Sie dazu bewogen, die Organisation des Winternotprogramms zu übernehmen?

Silvia Hebel: Wir haben vom Diakonieverein schon lange vorgehabt, uns da zu engagieren, haben aber niemanden dafür gefunden. Nun bin ich in Rente – nun kann ich so etwas machen. Natürlich habe ich das nicht allein gemacht; wir sind eine Gruppe von 6 Personen.

Und was waren die Aufgaben der Arbeitsgruppe im vergangenen Winter?

S.H.: Zuerst musste das Grundstück hergerichtet werden, das ist ja ein Parkplatz der Sportanlage. Wasser- und Strom­lei­tun­gen mussten gelegt und das Gelände eingezäunt werden. Das hat hohe Kosten verursacht, die teilweise der Diakonieverein übernommen hat. Schließ­lich konnten die Container aufgestellt werden: Zwei Wohn­container für je zwei Personen und ein Sani­tär­container.

Jetzt findet einmal pro Woche ein Früh­stück für Bewohner und Helfer statt, bei dem man ins Gespräch kommen oder auch bespre­chen kann, was besorgt werden muss, was vielleicht fehlt oder kaputt ist.

Bestimmt haben Sie in diesen Gesprächen auch viel über das Schicksal der Bewohner erfahren …

S.H.: Das Angebot im Winternotquartier ist niedrigschwellig. Wir fragen nicht, warum jemand in die Obdachlosigkeit geraten ist. Wir Betreuer erfahren aber in Gesprächen viel über die Schicksale der Bewohner. Dabei haben wir gelernt, wie viele verschiedene Wege in die Obdachlosigkeit führen können, dass es keinen typischen Obdachlosen gibt und wie wichtig unsere Arbeit in diesem Projekt ist.

Wo kommen die Bewohner her?

S.H.: Wir bekommen die Leute zugewiesen von der Tagesaufenthaltsstätte des Diakonischen Werkes an der Bundesstraße. Wenn sich dort jemand meldet, einen Schlafplatz braucht und bei uns ein Platz frei wird, dann wird uns jemand Neues geschickt. Ab November sind die Schlangen dort lang; es gibt viele Obdachlose!

Wer will, kann aber auch den ganzen Winter bleiben?

S.H.: Ja, wir haben zwei Bewohner, die den ganzen Winter hier waren. Sie haben hier einen Raum für sich alleine, das ist für viele ein Glücksfall.

Es war ja zu lesen, dass die Wohncontainer von der Stadt finanziert werden. Wozu wird denn zusätzlich noch Geld benötigt?

S.H.: Die Container sind nur ausgestattet mit Bett, Tisch, Stuhl und Spind. Das ist sehr karg. Wir haben Fußmatten gekauft, Leselampen, Garderobenständer, Wasserkocher. Auch den Zaun haben wir bezahlt. Und natürlich kostet auch das Frühstück. Alle 14 Tage werden Bettwäsche und Handtücher gewechselt. Die großen Teile geben wir in die Wäscherei. Wir besorgen auch die Sanitär und Reinigungsmittel. Die Bewohner sind für die Reinigung selbst verantwortlich. Wir haben da gute Erfahrungen gemacht. Außerdem treten wir in Vorlage, wenn jemand in Not ist und z.B. 10 € für die Praxisgebühr braucht.

Das Winternotprogramm läuft Mitte April aus. Wo gehen die Betroffenen denn dann hin?

S.H.: Einige gehen wahrscheinlich wieder auf die Straße. Es gibt einfach Menschen, die können nicht mehr anders leben. Wir bemühen uns, Leute in Kirchenkaten unterzubringen oder in Wohngruppen – wenn sie denn willens sind, sich wieder einzugliedern. Das schaffen nicht alle.

Und ist für den nächsten Winter eine Wiederholung dieses Winternotprogramms geplant?

S.H.: Auf jeden Fall!

Die Fragen stellte Ilona Henze.

Pflichttermin?

Weihnachtsfrühstück Jeden Samstag um 9 Uhr gibt es einen Pflichttermin: Frühstück mit unseren Winternot­quartier­gästen. Allerdings, dieser Samstag war der 24.12. Alle Betreuer hatten den Kopf voll, eigentlich konnte keiner kommen: Stress, verreist, Besuch usw. Auf die Ankündigung, das gemeinsame Früh­stück ausfallen zu lassen, beschämten uns unsere Gäste: Sie wollten uns einladen …

So kam es am Vormittag des Heiligen Abends zu einem besinn­lichen Weihnachts­frühstück. Jürgen Wehnert, eigentlich voll im Vor­berei­tungs­stress, kochte wie immer Kaffee. Brötchen, Aufschnitt und Fleisch­salat (muss sein), alles war wie ver­sprochen von den Gästen besorgt. Dazu kam ein treuer Gast aus dem Winter­not­quar­tier des letzten Jahres. Leschek aus Polen spielte Weihnachts­lieder aus seiner Heimat auf der Mund­har­monika.

Für eine kurze Zeit haben wir mit und Dank unserer Gäste die Zeit ange­halten: Weihnachten in Philemon: Kein Pflichttermin!

© Copyright Diakonieverein, Hamburg, 2013