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Die Taufe (Barbara Hanzig)

„Ich werde heute getaucht“, sagte ein Kind ganz stolz kurz vor seiner Taufe. Das Wort „tauchen“ war dem Kind wohl vertrauter als das Wort „taufen“. Dabei hat es aber etwas Wesentliches verstanden: Die Taufe hat etwas mit Wasser zu tun.

Wasser ist nicht nur das chemische Molekül H2O. Die Bedeutung des Wassers hängt mit den Erfahrungen zusammen, die Menschen immer wieder mit ihm machen. Wer in einem Boot sitzt, erfährt die tragende Kraft, kommt aber ein Sturm auf, wird das Bedrohliche des Wassers spürbar. Aus dem Wasser entsteht Leben, es kann aber auch Leben zerstören – wie es in Japan gerade viele Menschen erleben mussten. Wer sich nach einer anstrengenden Wanderung unter die Dusche stellt oder ein Glas Wasser trinkt, erfährt, wie belebend und reinigend das Wasser ist.

Diese Bedeutungsvielfalt spiegelt sich auch in der Taufe. Früher, als die Menschen bei der Taufe noch ganz untergetaucht wurden, wurde deutlich: Hier geht etwas unter. Alles, was Menschen trennt von der Quelle des Lebens, von Gott selbst, soll sterben, damit ein neues, erfülltes Leben unter dem Schutz Gottes und in der Beziehung zu ihm beginnen kann. Symbolhaft „reinigt“ das Wasser in der Taufe den Menschen von allem, was an Negativem, Dunklem und Schuld in ihm ist. Gott vergibt und trägt die Schuld nicht nach. In der Taufe verspricht Gott, den „Täufling“ zu begleiten, ihn auch durch die Stürme des Lebens hindurch zu tragen und ihm immer die Kraft zu geben, die er braucht, damit er gestärkt und zuversichtlich seinen Weg gehen kann.

Oft werden Kinder in den ersten Lebensjahren getauft. Die Eltern entscheiden, dass ihre Kinder zu Gott und zur Kirche gehören sollen. Für alle gibt es dann die Möglichkeit, sich im Konfirmandenunterricht mit dem Glauben selber auseinanderzusetzen und sich für ihn zu entscheiden. Die einen bestätigen dann im Konfirmationsgottesdienst, was ihre Eltern einmal für sie entschieden haben, andere werden kurz vor oder im Konfirmationsgottesdienst getauft. Wieder andere lassen sich als Erwachsene taufen, weil sie erst später entdeckt haben, dass der Glaube ein wichtiger Teil ihres Lebens sein soll.

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In der Marktkirche wird für jeden Täufling ein Holzfisch an ein blaues Brett genagelt. Der Fisch erinnert daran, dass das älteste christliche Symbol nicht das Kreuz, sondern der Fisch war. Jeder Fisch – von Eltern, Geschwistern oder Paten gestaltet – sieht anders aus. Ebenso unterschiedlich sind die Menschen in der Gemeinde, und doch gehören sie zusammen zu dem einen Gott und zu einer Gemeinschaft.

„Ich werde heute getaucht“, sagte das Kind. Recht hat es! Es taucht in der Taufe ein in die Liebe Gottes und in die Gemeinschaft der Christen.

Barbara Hanzig