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Sagt, wer kann den Wind sehn? (Anna Henze)

Sagt, wer kann den Wind seh'n?

… Niemand kann ihn sehn; aber wenn wir lauschen, hören wir sein Wehn.

So heißt es in einem schwedischen Kirchenlied*. Ein leichter, frühlingshafter Wind, der die Blätter in den Bäumen leise rascheln lässt. Hören kann ich ihn – jedoch nur, wenn ich genau hinhöre. Spüren kann ich ihn – als sachtes Streicheln im Gesicht oder leichtes Wehen in den Haaren.

Wer kann Gottes Geist sehn? Niemand kann ihn sehn; doch wer auf ihn wartet, lernt ihn wohl verstehn.

Wind, Hauch, Atem, Geist, Geist Gottes, ... im Hebräischen – der Sprache des Alten Testaments – wird all dies mit demselben Wort bezeichnet: „ruach“. Den Geist Gottes kann ich genauso wenig sehen wie den Wind. Und doch ist er da! Ich kann ihn suchen, auf ihn warten, ihn hören und fühlen.

Er tut große Dinge, lehrt uns Gott vertraun, dass wir glauben können, ohne ihn zu schaun.

Als ein Suchen nach Gott und seinem Geist – so verstehe ich auch die Konfirmandenzeit. Gemeinsam horchen Mädchen und Jungen auf das Wehen des Geistes. Und der Geist Gottes weht, wo er will – in mir selbst oder im Miteinander, im Verliebtsein oder in der Natur.

Jesus sagt uns allen: „Bittet Gott, den Herrn, dass er euch den Geist gibt, und er gibt ihn gern.“

Nach einer Zeit des Suchens und Fragens ist die Konfirmation dann eine „offizielle“ Bitte, die lautet: Gott, schenke mir deinen Geist. Und besonders schön ist, dass Jesus uns verspricht: Gott erfüllt diese Bitte gerne! Und auch die Konfis geben Gott mit ihrer Konfirmation ein Versprechen, das lautet: Ich werde weiter suchen, weiter horchen auf das Wehen des Windes und lauschen auf den Geist Gottes.

Anna Henze

* Hilde Möller nach dem Schwedischen „Vinden ser vi inte“ von Anders Frostenson 1958, 1973