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Gott spricht zu uns durch die Armen (Stephan Uter)

Frau ohne HoffnungAus einem der letzten Radio-Interviews mit dem Gründer der Taizé-Bewegung, Frère Roger, behielt ich diesen schlichten und wahren Satz als etwas Wichtiges, das aber in unserer Kirche allzu leicht aus den Augen verloren wird. Denn nach wie vor ist Kirche ein Feld, in dem vornehmlich gesicherte Bürgerlichkeit zu Hause ist, mit einer entsprechenden Sprache, mit Umgangsformen und Ansprüchen untereinander, die ärmere Schichten so gut wie ausschließt.

Was sagt Gott uns durch „seine Armen“ (Jesaja 49,13)?

Ich denke an eine Erfahrung mit einer sterbenden, noch gar nicht so alten Frau, die von der Grundsicherung des Sozialamts lebte. Ihre Nachbarin war zu mir gekommen und versuchte mich zu bewegen, mich für sie beim Sozialamt für ein Pflegebett einzusetzen. Denn sie hatte nur ein Sofa, auf dem sie nun festlag. Und sie hatte niemanden, der sich für ihre Belange („behördenfähig“) einsetzte. Bei einem Besuch bestätigte sich das alles, und noch mehr: Sie hatte noch nicht mal hygienische Liegeunterlagen oder irgendeine Pflege, weil noch niemand die Kostenfrage für den Pflegedienst geklärt hatte. Wohl auch, weil sie in dieser Sache schon vorher versucht habe, irgendetwas zu erschummeln. Auf meine telefonische Nachfrage weigerte sich die Sachbearbeiterin des Sozialamts klar, die Kosten für ein Pflegebett zu übernehmen, weil die Frau das Amt in Zusammenhang mit Mietschulden mehrfach geprellt hatte. So waren eigentlich alle schlecht auf sie zu sprechen. Und so kam es, dass sie am Ende recht elend auf ihrem Sofa starb.

Kommt nun zu dem Satz von Frères Roger noch der Satz Jesus hinzu: „Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt. 25,40), dann wird wohl klar, was Gott uns durch diese Arme sagt.

Viele aus der Poppenbüttler Gemeinde suchen in solchen Situationen zu helfen, etwa durch Mitarbeit im Freiwilligen-Forum oder im Diakonieverein. Zu weiten, sozial benachteiligten Gemeindeteilen aber kommt es aus den eingangs genannten Gründen kaum zu einem Kontakt. Öffnet sich die Gemeinde hier, im bewussten Lösen von bestimmten Sprach- und Umgangsformen, tut sie also nicht nur „etwas Gutes“- sondern öffnet die Ohren wirklich für den, den sie sonst in ihren Kirchen sucht - der aber „durch die Armen“ spricht.

Pastor Stephan Uter