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Auf ein Wort

Wozu Gottesdienst?

In den Wochen des „Corona‐Lockdown“ war es zum ersten Mal in der neueren Geschichte unseres Landes verboten, öffentliche Gottesdienste zu feiern. Nicht jede/r sah darin ein wirkliches Problem.  Glaube ist doch schließlich Privatsache!

Die einzige Hinsicht, in der dieser Satz m. E. stimmt, ist die,  dass niemand über den Glauben eines anderen Menschen bestimmen darf. Ansonsten gilt: christlicher Glaube ist alles andere als Privatsache! Er soll mutig bekannt, im Alltag erkennbar gelebt und einladend weitergesagt werden. Das Wesen des christlichen Glaubens ist, dass er sich immer auf ein Gegenüber, ein „Du“ bezieht. Die zentrale Herausforderung für Christenmenschen ist (Markus 12, 33ff): Lebe in einer vertrauensvollen Beziehung zu Gott – mit allem, was deine Persönlichkeit und  dein Leben ausmacht. Baue wohlwollende und unterstützende Beziehungen zu deinen Mitmenschen auf. Erkenne, dass du ein einzigartiges und geliebtes Kind Gottes bist – mit all deinen Stärken und  Schwächen. So wichtig der ganz individuelle Glaube ist – der gemeinsame Gottesdienst ist der Ort,  an dem wir aus unserer Selbstbezogenheit in diese Gemeinschaft gerufen werden. Er steht unter der Zusage Jesu: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte.“  (Matthäus 18, 20). Die Gemeinschaft mit anderen Christen soll und kann uns für die  Herausforderungen unseres Alltags stärken – auch dann, wenn die Begegnung mit den anderen manchmal schwierig ist. Wir brauchen Korrektur, wo wir uns verrannt haben, genauso wie die  Bestätigung, dass wir nicht nur als „Einzelkämpfer“ unterwegs sind. Außerdem kann christliche  Gemeinschaft auch einfach Spaß machen – wirklich! Auch das Gebet, also das Reden mit Gott über  alles, was unser Leben ausmacht, hat eine Dimension, die über das Private hinausreicht.  Zunächst gehört es – ganz wichtig! – tatsächlich in die Privatsphäre, also dahin, wo es sonst keiner  mitbekommt. Aber auch auf dem gemeinsamen Gebet liegt eine Verheißung. Jesus sagt: „Wenn zwei  von euch hier auf der Erde darin eins werden, um etwas zu bitten – was immer es auch sei –, dann wird es ihnen von meinem Vater im Himmel gegeben werden.“ (Matthäus 18, 19). Dabei geht es nicht um Gebet als Methode zur Wunscherfüllung, sondern um das Geheimnis der Kraft, die freigesetzt  wird, wenn wir uns darüber einig werden, was gut und wichtig ist, und dann gemeinsam vor Gott und  der Welt dafür einstehen. Der Gottesdienst ist außerdem der Ort, an dem wir zusammen  Abendmahl feiern und damit in die versöhnende Gemeinschaft mit Jesus in unserer Mitte eintreten.  Ermutigung, Kraft, Vergebung und Freude gehen davon aus. Das geht aber nicht alleine, denn beim  Abendmahl sind wir immer Empfangende!  Schließlich ist der Gottesdienst auch der Ort, an dem wir  gemeinsam Gott loben. „Du bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels“, heißt es in  Psalm 22. Wir singen zur Ehre Gottes und erkennen damit an, dass wir selbst nicht die letztgültige Instanz im Universum sind. Wir empfangen unser Leben und diese schöne Welt von ihm. Das ist ein  Grund zum Feiern, was ja nicht alleine geht, und zum verantwortlichen Handeln. Auch das geht besser gemeinsam. Darum freuen wir uns darauf, mit Ihnen Gottesdienst zu feiern!

Pastor Peer Lichtenberg

Predigten und Texte zum Nachlesen oder Nachhören

Hier finden Sie Predigten aus unseren Kirchen und Texte aus „Auf ein Wort”, die Sie in Ruhe nachlesen können.

Die Predigttexte sind allein schriftliche Hilfen für die lebendig – also mündlich predigenden PastorInnen: Es gilt das gesprochene Wort. Diese Unterlagen sollen für die Predigthörer Stichworte zur Erinnerung liefern. Ausschnitte dürfen also nicht als Predigtzitate genutzt werden, weil die Predigt möglicherweise in einzelnen Bereichen anders gehalten wurde.